Fahrradtour Bodensee

Entstanden im letzten Jahr haben wir uns vorgenommen dieses Jahr mal den Bodenseeradweg anzugehen. Laut Vorplanung sollten es 260 km werden, also könnte man das in 5 Tagen schaffen. Oder halt in / oder auch 6….Wir haben uns für Überraschungen bei den Übernachtungen entschieden, also auf blauen Dunst…

Durch Lesen wurde uns dann bewusst, so einfach wird das nicht werden. In einem Beitrag hatte ich gelesen, dass man in den Sommermonaten Juli und August kein freies Zimmer mehr bekommt und an Pfingsten auch nicht. Und wenn kein Zimmer geschrieben ist, heißt das auch keins! Und, wann fahren wir los? Pfingstsonntag! Also Muffensausen gekriegt und Pfingstsonntag eine Unterkunft 2 Monate vorher gebucht! Die Letzte im Übrigen. Und das bewahrheitete sich dann auch…

1. Tag – Ludwigshafen – Meersburg

Morgens um 8 Uhr Abfahrt zuhause gen Bodensee. Ludwigshafen war das Ziel für den Start. Den ersten Tag wollten wir so um die 20 bis 30 km “einfahren”. Also in Ludwigshafen eine Parkmöglichkeit gefunden, welche nicht so einfach zu finden war, da alles Anwohnerparkzone ist. Ist ja noch schöner, wenn die Fahrradtouristen alles zuparken… Trotzdem was gefunden und das war perfekt, wie sich am letzten Tag rausstellen sollte. Los geht”s. Nach 5 km die erste große Hürde. Wegen eines Erdrutsches war die Uferstraße gesperrt und natürlich der Radweg. Es wurde umgeleitet über den Blütenweg. Sehr schön für Wanderer, aber nicht gerade für Radwanderer mit 20 kg Gepäck am Hintern…. So hatten wir die ersten 200 Höhenmeter auf der Uhr. Der Rest ging durch die “beschaulichen” Touristenorte Überlingen und Unteruhldingen mit den Pfahlbauten. Das mal vorweg: Solche Touristenattraktionen sind nix für uns, u.a. weil man nicht weiß, wohin mit dem Gepäck, das kann man nicht 2 Stunden unbeaufsichtigt rumstehen lassen! In Meersburg angekommen, dem Ort unserer Übernachtung, bewiesen sich unsere neuen Fahräder als Klettermaxe. Auch wenn die eine oder andere Schaltung mal neu eingestellt werden musste. Unserer Unterkunft lag gefühlt am höchsten Punkt der Stadt, also am Ärmel der Welt. Gästehaus Meersburg! Begrüßt wurde wir von einem nicht ganz gut riechendem Inhaber. Der hatte anscheinend schoin einen stressigen Tag hinter sich. Er wies uns die Zimmer zu. Ach du liebe Güte. Es war sauber, das war es aber auch schon. Mehr möchte ich nicht beschreiben. Dafür haben wir dann 80 € bezahlt, dem Standardpreis für den Bodensee Abends dann in die Stadt, lecker gegessen wollten wir in einer andere Wirtschaft (Gasthaus Löwen) noch einen Absacker trinken. Die Bedienung nach ca. 20 Minuten (wir hatten ja Zeit im Urlaub), ob wir was zu trinken bestellen dürften. Die Antwort war: “Nein”. Ein einfaches Nein! Auf die Frage, wann dann, wurde uns entgegnet, dass sie noch die anderen Bestellungen der anderen 3 Tisch abarbeiten müßte! Leck m….. Scheiß Touristenkneipe!

2. Tag – Meersburg – Bregenz (A)

Das Frühstück in dem Sahnestück war gut, erstaunlich gut. Wenigstens etwas! In rasender Abfahrt ging es von unserer Unterkunft wieder runter zum Radweg. Über die Touristenörtchen Hagnau, Immenstaad ging es nach Friedrichshafen. An einem Pfingstmontag ist das kein Zuckerschlecken. Gefühlt war ganz Baden-Würtchenberg und Bayern am Bodensee. Ein Gehupe und Motorradgedröhne. Von Ruhe keine Spur. In den Orten musste man sich fast in den Parkplatzstau einreihen. Aber frech kommt weiter! In Immenstaad schnell ein Eis reingeschoben und weiter ging es. Der Dorfkrug in Fischbach bot uns dann das ersehnte Mittag (Curry Pommes) inkl. Bierchen vom Fass. Friedrichshafen kannten wir schon, also irgendwie schnell durch. Diese Menschenmassen sind nix für uns. Da waren die Orte Langenargen, Kressbronn und Wasserburg schon eher was. Kurze Pausen inkl. Bis der Ort Lindau kam. Sowas von Verkehr habe ich selten gesehen. Lindau ist eigentlich eine Insel, zumindest die Altsatdt. Ob das noch so zeitgemäß ist, auf so einer kleinen Insel den Hauptbahnhof zu belassen und den ganzen Verkehr dorthin zu führen?? Proppenvoll das Ganze. Wir waren ja mit dem Fahrrad da, vorbei an dem ganzen Gewusel und bloß wieder weg. Auf nach Bregenz! In Lochau noch ein kurzes Päuschen. Da war wenigstens Ruhe. In Bregenz war das Hotel Falken, welches auch im Vorfeld gebucht wurde, unser Anlaufpunkt. In der Nachbarschaft das Casino. Na ja. Aber so schlecht war es dann nicht. Gemütliches modernes Zimmer und das ganze, na sagen wir mal für 80 €! Bregenz bot uns abends dann noch inder Cantina.at mexikanisches Essen. Wollten wir zwar nicht, wir hatten aber Hunger und es hat sehr gut geschmeckt. Was willste lange rumsuchen. Ein Cocktail im Cuba-Club.at hat die Sache rundgemacht. Tot ins Bett gefallen!

3. Tag – Bregenz (A) – Kesswil (CH)

Weil wir ja nun Muffensausen hatten und WLAN im Hotel Falken in Bregenz zur Verfügung stand, wurde gleich die nächste Unterkunft in der Schweiz besorgt. Das stellte sich als sehr gut überlegt heraus. Der Morgen begann mit Regen ohne Ende, wie auch schon die ganze Nacht. Wolkenbrüche kamen herunter. Nützt nichts, Regenklamotten an, alles wasserdicht verpacken und los geht es. 2 Stunden Fahrt im Regen machen dann auch mal Spaß, wenn man ins Helle fährt. Leider konnten wir durch den wolkenverhangenen Himmel nicht die wunderschöne Bergwelt drumherum genießen. Das Rheindelta hinter Hard passiert hörte es dann auch allmählich auf zu regnen. Die Sonne schien plötzlich aus allen Knopflöchern, aber kalt war es trotzdem. Also alles auf dem Gepäckträger zum Trocknen ausgebreitet. Das wir dann plötzlich in der Schweiz waren haben wir nicht gemerkt, nur die Beschilderung hat sich mal wieder geändert, wie in Österreich auch. Und irgendwie war es auch gut, dass wir uns eine Unterkunft besorgt haben. Unterwegs gab es so gut wie keine “Zimmer frei”-Schilder oder sonstwas. Irgendwie keine Touristengegend hier. Und, wie es kommen musste, begann es vor Romanshorn wieder zu regnen. Also, die schön trockenen Klamotten wieder übergezogen und Navi auf Kesswil eingestellt. Jetzt war es gut, dass wir nicht lange nach einer Unterkunft suchen mussten, sondern einfach nur ansteuern. Dort in Kesswil angelangt wurden wir sehr freundlich barfüßig begrüßt: “Hallo, ich bin die Daniela” von Daniela”s Sonnengarten. Das Zimmer war in Ordnung. Uns wurde noch die Infrarotkabine angeboten, die wir aber nicht genutzt haben. Die Suche nach Essen war nicht so ganz einfach. Die einzige Gaststätte, die geöffnet haben sollte, war die auf dem Campingplatz. Also, nichts wie hin da. Ein Schild “Geöffnet” verhieß Gutes. Nix da, an der Tür stand: “Wegen Regen ab 18 Uhr geschlossen”. Na toll, und jetzt? Also an der Bahnlinie lang Richtung Ort gewandert, denn zum Radfahren hatten wir abends keine Lust mehr, um dort mit dem Zug nach Romanshorn zu fahren. Auf diesem Weg haben wir die Speisegaststätte “Royal” gefunden. Royal waren die Preise, das Essen war auch lecker. Spghetti Bolognaise für 16,50 Fr (=€) und Schitzel mit Spaghetti für 21,50 €. Das Cordon Bleu für 33,50 € habe ich mir erspart. War mir zu viel 😉 Dagegen war das 0,5 Bierchen für 4,50 € fast günstig! Ist halt die Schweiz!

4. Tag – Kesswil (CH) – Öhningen (D)

Das Frühstück bei Daniela war schon super (die Brötchen fehlten vielleicht, es gab Brot). Leckere Käsesorten und selbstgemachte Marmeladen. Auf Nachfrage, warum sie unter so vielen Namen firmiert, erzählte sie ihre Geschichte: Sie war in diesem Haus selber als Gast über Wochen, als sie für eine Firma in der Nähe arbeitete. Man freundete sich an und sie bekam das Angebot, das Haus zu hüten. Während der Abwesenheit der Eigentümer über 2 Jahre, die eine Segeltour durch die ganze Welt vorhatten. Also hieß das Heim vorher “Casa Marina” und nun “Daniela”s Sonnengarten”. Ab und zu, wenn zu viele Leute dort übernachten wollen, schläft sie selbst im Wohnwagen im Garten. Lustig! Für die Übernachtung haben wir, na der geneigte Leser wird es jetzt wissen, 80 € bezahlt. Ein leckerer Wein, den Daniela in ihrem Weinkellerkühlschrank hatte, kam allerdings noch dazu (ein heimischer Rotwein, sehr lecker) Den hat sie uns samt einer Schale Walnüssen und einem Pott Wasser kredenzt. Aufmerksam! Die Fahrt ging für mich durch langweilige Landschaften Richtung Kreuzlingen und dann mit Kohlrabi vom Feld über Steckborn nach Stein am Rhein. Aber die Ansichten sind ja verschieden. Meine bessere Hälfte fand diese Tour jedoch am Schönsten! In einem Supermarkt, den wollte ich unbedingt in der Schweiz nochmal betreten, deckten wir uns mit Äppelwoi, Schweizer Bier, Käse und Semmel ein und suchten uns ein Plätzchen an der Sonne. Gelungen. Siehe Bild! Stein am Rhein. ja das ist schon ein schönes Plätzchen auf Erden, wenn nur die vielen Japaner nicht wären. Allerorten Fotos machen, von was auch immer, egal was im Rücken ist. Hier hatten wir das erste und einzige Mal Angst um unsere Fahrräder… Sie drohten zu kippen… Ansonsten war es gar nicht mal so günstig hier. Wir haben dennoch eine Tasse Kaffee in der Sonne direkt am Rhein genossen für jeweils 4,50 €. In Anbetracht der Kulisse und der Internationalität geht das wohl! In Öhningen erwartete uns der Landgasthof Adler. Übrigens gibt es in jedem Kleckerdorf einen Gasthof Adler, warum auch immer. Das zog sich so durch unsere Radtour, egal ob D, A oder CH. Den Landgasthof hatte ich übrigens aus einem mitgeführten Gastgeberverzeichnis Untersee. Uns war das Ganze ja nun nicht mehr geheuer, was die Unterkünfte angeht. 80 € waren ja schon klar, aber ob es wirklich was gibt. Es gab und es war alles gut. Ankommen, Draussen Weizen und auch eine Haxe gegessen, später drinnen weiter getrunken. Alles gut!

5. Tag – Öhningen – Insel Reíchenau

Diese Etappe sollte sehr gemütlich werden, zumindest war das von mir so angekündigt. Jedoch wurde sie wider Erwarten genauso lang wie die anderen auch.Man verschätzt sich immer. Über die Horsnspitze ginge es nach Radolfzell. Dieses kannte ich vage von früheren Exkursionen (Klinik Mettnau). Das Wetter wa sehr schön und lud zum Eisessen ein. Man verbummelte die Zeit, es war ja nicht weit heute 😉 Von Radolfzell über Allensbach zur Insel Reichenau. Auf der Insel angekommen, dachten wir, wir wären auf Korsika oder so. So viele Berge hatten wir auf so einer Insel nicht erwartet. Untergekommen bei Bed and Breakfast, auch wieder von unterwegs gebucht. Für, na raten wir mal? Na, 80 €! Abends im Restaurant Kleiner Löwen gab es die besten Pommes die ich je gegessen habe zu einem Deluxe-Burger. Es war gerade Burger-Tag. Die Parmesan-Trüffel-Pommes waren ein Gedicht! Den letzten Ausblick genossen wir dann vom höchsten Punkt ..der Insel, vom Hochwart. Ins Bett sind wir auch wieder gefallen, diese viele frische Luft.

6. Tag – Insel Reichenau – Mal sehen

Über Konstanz in naher Entfernung Richtung Mainau. Das hatte ich dann nicht so erwartet, dass man nunmehr die Fahrräder vor der Insel abstellen muss und pro Person 19 € Eintritt zahlen sollte für uns und unbeaufsichtigtes Gepäck. Also Insel Mainau wr für uns nicht zugänglich, eine Lösung bot sich nicht an. Schon verrückter Massentourismus. Eine Station weiter gab es in einem Strandbad nun das langersehnte erste Kaltgetränk, denn die Berge warteten anschließend ab Wallenstein. Über Dettingen begann der Anstieg. Nachdem wir uns am Straßenrand mit Erdbeeren und bei Netto mit Würstchen versorgt hatten, suchten wir uns nach einer Mini-Bergetappe einen ruhigen Ort. Dieser War so ruhig, dass man dort vor geraumer Zeit einen Friedhof angelegt hatte. Eine aufmerksame Autofahrerin, die trotzdem den Weg dort hoch gefunden hatte, wies uns freundlicherweise auf ein “Bänkli” hin. Dieses hatten wir leider gar nicht wahrgenommen. War aber auch zu spät. Nach den Bergen wartete Bodman. Dort wollten wir die letzte Nacht verbringen und hatten nichts vorgebucht. Kein Zimmer-Frei-Schild leuchtete uns entgegen. Also wurde die Tourist-Info befragt. Dort druckte man uns die restlichen freien Zimmer auch im nahen Ludwigshafen aus, unserem Ausgangsort. Dort bekamen wir noch eine Unterkunft. Ich kündigtemich bei der Vermieterin dann mit den Worten an: “Wir sind dann gleich da”. Was sie nicht wußte war, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs sind von Bodman und eigentlich noch was trinken wollten. Also entgegnete sie mir: “Ich gehe gleich runter” und legte auf. 2-maliges Anrufen brachte keinen Erfolg, denn die arme Frau wartete ja nun draußen. Endlich nach 1 Stunde erreicht, konnte ich aufklären, wann wir tatsächlich erscheinen. Und wir haben sage und schreibe keine 80 € für die beste Unterkunft gezahlt mit schönem Frühstück und bester Umsorgung, sondern diesmal nur 50 €. Ein Schnapper! Unser Auto stand in der Parallelstraße und konnte am Morgen der Abreise fußläufig erreicht werden. Auch ein Segen, wenn man nicht nochmal auf den Esel muss. Der Abend und somit der Urlaub klang nach diesen 300 km laut Tacho ganz lau aus, bei Rotwein und Pizza…

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