Fahrradtour Münchener Seenrunde

Die Fahrradtour in den Bergen oder besser gesagt vor den Bergen. Mit Regen und Abenteuer…
Es war echt schwer Unterkünfte für diese Tour zu bekommen. Wer pro Tag 150 € für ein Doppelzimmer ausgeben wollte, hätte es einen Tucken leichter gehabt, wollten wir aber nicht!

Anreise und Tag 0
Tag 1: München – St. Heinrich/Münsing
Tag 2: St. Heinrich – Garmisch Partenkirchen
Tag 3: Garmisch Partenkirchen – Lenggries
Tag 4: Lenggries – Bad Wiessee
Tag 5: Bad Wiessee – Wolfratshausen
Tag 6: Wolfratshausen – München

Anreise und Tag 0

OlympiaparkAm Anreisesonntag war noch genügend Zeit für Sightseeing, als ob man München noch nicht kannte… Also auf in den Olympiapark, den Berg-Biergarten augesucht, von oben auf das altehrwürdige Olympiastadion geschaut. Keine Meisterfeier des FC Bayern, sondern eine Boulder-Meisterschaft gab tosenden Applaus. Abends war das Schneider-Bräuhaus mit seiner Aventinus-Weiße unser… Die letzte Stärkung vor dem großen Regen.
Und wer jetzt hier tolle Fotos erwartet, der hat Recht und sollte sich an spezialisierte Regen- oder Schlechtwetterfotografen wenden, um diese zu buchen 😉

 

Also auf die erste Etappe:

Tag 1: München – St. Heinrich/Münsing…nach oben

Blick aus dem Fenster
Blick aus dem Fenster
Abfahrt
Bester Start

Pünktlich zur Abfahrt goss es aus Kübeln. Also im Hoteleingang in Mittersendling (7 Days Premium, 73,15 € inkl. Frühstück) schon mal die Regenklamotten angezogen. Und auf ging es ein wenig durch München, durch den Forstenrieder Park, ewig geradeaus.
Bis nach Starnberg. Alle gastronomischen Highlights hatten ihre Terrassen geschlossen. Warum sollte man auch bei 12 Grad und Regen öffnen. Also blieb uns nur ein REWE-Markt. Das in Starnberg das höchste Pro-Kopf-Einkommen sein soll merkte man spätestens im REWE nicht mehr. Eine Kasse auf, Kassiererin vollkommen überfordert, (Menschen-)Schlangen ohne Ende. Für 2 Bier in voller Regenmontur gefühlte halbe Stunde an der Kasse gestanden. Danke!

Nach dieser “Stärkung” immer weiter am schön verregneten Ufer des Starnberger Sees. Nichts lud wirklich ein, der Regen kroch überall hin.

Bergig
Bergig

Gegen 17 Uhr war es dann geschafft, die ersten 55 km Regen lagen hinter uns. Übernachtung in St. Heinrich bei der Fischerrosl. Wie gut, dass mich dort noch der hauseigene Hund anfiel. Der ist ganz brav, der tut nix… Dafür gab es 2 Bier auf’s Haus. Zu Fuß gab es eine Riesenauswahl an Häusern (3 Stück), eines davon hatte auf dem Ruhetags-Montag tatsächlich was zu essen für uns. Noch schnell 2 ToGo-Biere fürs Zimmer mitgenommen, wo eigentlich alles vollhing mit durchnässten Klamotten zum Trocknen. Warm war es auch, die Heizung sollte ihres dazu tun zum Trocknen…

 

 

Tag 2: St. Heinrich – Garmisch Partenkirchen…nach oben

Wasser-Radlwege
Wasser-Radlwege

Wieder trocken am nächsten Morgen bugsierte ich unsere Fahrräder, die wir schön auf dem Hof abgestellt hatten über vier belgische Harleys hinweg, die es für nötig hielten, ihre Kisten in dem ca. 4 x 6 m großen Hof abzustellen. Anheben und hopp drüber wegtragen…
Wie gewohnt regnete es, dieses mal Blasen. Die erste Hürde kam nach 10 km. Schön eine Abkürzung rausgesucht. Diese wurde uns von einer Bahnschrankenbaustelle madig gemacht. Ha, trotzdem eine Lücke im Bauzaun auf beiden Seiten gefunden und zack durch. Machte 10 km Umweeg wett. Aber dann: Am nächsten Anstieg löste sich eine von 2 Schrauben an meinen Cleat (Schuhplatte für Klickpedale) unter dem linken Schuh, sodass ein Lösen von der Pedale nicht mehr möglich war. Und das an der steilsten Stelle des Tages. Das Lösen des rechten Schuhs war schon mal abenteuerlich und künstlerisch. Also hing ich mit dem linken Fuß am ganzen Fahrrad fest. Der Postistillon kam mit seinem VW-Bus von oben, also schob ich

Regenblasen
Es regnet Blasen

humpelnd das schwere Fahrrad samt mir dran hängend mit dem rechten Fuß hüpfend zur Seite. Was tun? Linken Schuh ausziehen war die einzige Möglichkeit bei strömendem Regen. Gar nicht so einfach. Also anschließend auf einem Bein die Operation angegangen. Den Schuh dann mit der einen noch vorhandene Schraube losgedreht von der Pedale, vom Cleat befreit und wieder angezogen. Einbeinig am Berg…

Und weiter ging es (bei Regen). Es gab keine Möglichkeit an diesem Tag sich irgendwo adäquat unterzu-setzen und mal Pause zu machen. An kaltes Bier war bei 10 Grad und strömendem Regen nicht zu denken. Gab es eh nicht unterwegs. Biergarten, pöh, warmes Gasthaus? Mit den Klamotten? Also weiter.

Unterwegs wurde uns bewusst, dass da ganz schön viel Wasser vom Himmel fiel und es irgendwie echt zu viel war damit. Also beschlossen wir nach Murnau zum Bahnhof zu fahren, um von dort mit dem Zug weiter nach Garmisch zu fahren. Das war die beste Entscheidung des Tages.

Dort angekommen mussten wir später feststellen, dass wir weder mit dem Zug, noch mit dem Auto, NOCH MIT DEM FAHHRAD auf dem kürzesten Weg nach Garmisch weitergekommen wären, wegen Überflutungen der Fahrbahnen. Aller, die sich im Breich Eschenlohe befanden.

Aber auf dem Weg zum Bahnhof gab es noch eine Besonderheit. Kurz vor dem weltberühmten Dörfchen Hofheim bei Obersöchering zeigte mein Navi rechts ab noch 6,1 km bis Murnau Bahnhof an. Plötzlich tauchte ein Fahradwegweiser auf, mit 4,5 km Richtung Murnau auf. Also, natürlich, links abgebogen. Nur bergrunter, toll! Das nächste Schild wies 4,1 km auf. Einfach super, es wird weniger. Über die B2 drüber weg, da schwante mir irgendwie Böses. Ein Auto parkte am Straßenrand, die Besitzerin kam gerade darauf zu. Befragt, wies sie uns den Weg um den Riegsee. Hmm, irgendwie alles viel länger als die angekündigten 4,5 km. Im nächsten Ort stand dann das echte Schild: 7,5 km bis Murnau! Welcher Idiot hat die Schilder vertauscht???

Wir haben den Riegsee gesehen und sind dann “schnurstracks” zum Bahnhof Murnau. Man legte sich auf Bahnhofstoiletten trocken und erkannte dann, das SEV war. Schienenersatzverkehr bis Garmisch wegen der Überflutungen, s.o.. Ach du liebe Güte und die Fahrräder in den Bus?

Der erste Busfahrer war genial. Warte auf den nächsten Bus, sagt der. Der solle Platz für 2 Fahrräder haben, mein Abteil ist zu klein. Gesagt getan, gewartet. Ich hatte aber noch keine Fahrkarten.

Ich: Ich muss noch Fahrkarten kaufen
Busfahrer: Soll ich dir einen Tipp geben?
Ich: Na ja, die muss ich noch am Automaten kaufen
Busfahrer: Soll ich dir JETZT einen Tipp geben?
Ich: Ja!
Busfahrer: Steig ein und frag nicht, hier will keiner Fahrkarten sehen! Und wenn löst du im Bus. Aber es kommt keiner!
Ich: OK…

Beide Busse fuhren zur gleichen Zeit pünktlich ab, über Oberammergau bis Garmisch…
Im Gasthaus zum Rassen in der schönen Ludwigstr. gab es sehr leckeren Schweinebraten in Schwarzbiersoße mit Knödel und einem Gedicht von Blaukraut mit vielen dunklen Bieren für diesen Abenteuertag…
Wer es wissen will: Es kam übrigens keiner im Bus!

Übernachtung im Hotel Trifthof für 95 Taler inkl. Frühstück.  Übrigens die Zugspitze, die wir locker vom Frühstückstisch hätten bestaunen können, haben wir nie sehen können, es reichte nur für die Schanze!

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Tag 3: Garmisch Partenkirchen – Lenggries…nach oben

Großraumtaxi
Großraumtaxi

Na, wie sollte es weitergehen? Nee, es war fast trocken heute. ABER: Die Züge sollten nicht fahren, wegen immer noch Überflutung. Die App sagte, dass nur Züge um 8, 12 und 16 Uhr Richtung Mittenwald fuhren. Es war 8:01, als ich in die App guckte.
Warum mit dem Zug? Weil ich irgendwo gelesen hatte, dass man einen Teil bis Mittenwald oder Krün auf der B2 -Fahrbahn fahren musste. und das nur berghoch und mit LKW usw. Das wollte ich uns nicht antun.

Also Zug fuhr zwischen 8 und 12 keiner laut App. Was tun? Großraumtaxi (VW Bus). Ging Ratzfatz mit der lockeren Taxifahrerin am Bahnhof. Sitzbänke umgeklappt. Fahrräder stehend in den Kofferraum, Gepäck davor. Und los!
30 € (für den Zug hätten wir 20 bezahlt). Am Scheitelpunkt und auf einem extra Radweg wurden wir rausgelassen, in Gerold!
Also, es es die ganze Zeit ein Radweg neben der Bundesstraße (selbst die Einheimischen und Taxifahrer wussten das nicht=hier fährt keiner Fahrrad hoch), es fuhr aber auch eine Bahn neben uns. Huch? Eine Bahn? Sagte die App nicht, es fährt keiner? Die Bahn halt! Für Überflutungen kann sie nichts, aber…

Der Weg führte uns weiter auf einer relativ ruhigen Straße von Krün nach Vorderriss entlang der viel zu vollen, reißenden, jungen Isar. Getöse und trotzdem sehr interessantes Tal. Es stipperte ein wenig. Für uns war das berstende Trockenheit 😉 Im Gasthaus Post in Vorderriss (es gab nur ein Gasthaus dort) führten wir uns eine heiße Suppe ein. Das tat gut, schließlich fuhren wir eine ganze Zeit auf 960 m Seehöhe bei 10 Grad rum. Noch ein wenig englische Auskünfte an Mitradler gegeben, die nach Wegen suchten.

Der Rest, was soll ich sagen, Regen! Am Sylvensteinstausee durch den Fahrradtunnel, den Weinbergschneckenschnellweg runtergesaust und in Lenggries angekommen.

Das Hotel Lenggrieser Hof (58 € inkl. Frühstück) hatte schon bessere Tage gesehen. Wir auch! Es regnete in Strömen als wir auf die Straße traten, um zum Essen zu gehen. Der Altwirt war ein Gedicht, also das Essen ist gemeint, es war aber auch das einzige Restaurant was hier am Ruhetags-Mittwoch offen hatte… Und der Zirbenschnaps erst!

Tag 4: Lenggries – Bad Wiessee…nach oben

Aufkleber
Aufkleber Richtung Marienstein

Oh, blau am Himmel! Über wunderschöne Wiesen und Felder ging es immer weiter in Richtung Gmund am Tegernsee. Mir war bewusst, dass wir eine “Anhöhe” zu meistern hatten. Ich verließ mich nunmehr auf die Radwegschilder, obwohl ich einen nicht ganz so steilen Weg per Karte und Navi als GPX ausgesucht hatte. Es ging so 10 km mit Gepäck im Wald auf einem Schotterweg berghoch bis ich in den vielen Windungen die Orientierung verloren hatte. Wo sind wir, wo müssen wir hin. Das Navi wies uns einen Weg, den ich nicht glauben wollte. Eine Mountainbike-Gruppe Süd mit 12 Teilnehmern kam uns entgegen und gelegen, um zu fragen. Ja, immer weiter hier. Ok, immer weiter. Wir kamen in Marienstein raus, einem total abgelegenen Nest, einer ehemaligen Bergwerksstadt. Na ja, Stadt ist übertrieben, Siedlung.

Von da ab, ging es auf Straßen und Radwegen fast nur noch bergab bis Gmund am Tegernsee. Wie zu erwarten war: Hochwasser. Einige Radwege standen auch dort unter Wasser.
An unserem Lieblingscafe in Tegernsee, welches wir desöfteren auf der Durchreise zum Skifahren frequentieren, gab es ein leckeres Eis. Lecker? Na ja, meine besser Hälfte hatte ein Teil ihres Eises ausgespuckt. Es sollte komisch geschmeckt haben. Beim Abendessen (Endlich rang ich mich zu fleischlosen Kasspätzle durch) überkam ein Flötotto und Übelkeit die Eisesserin. Ich habe den dreiviertel Teller aufgegessen, das Bier runtergestülpt und ab in die Unterkunft Hotel Setzberg zum See (79 € inkl. Frühstück). Bei bestem Alpenwetter… Was will man machen. Auf so einer Radtour erlebt man halt alles!!

Tag 5: Bad Wiessee – Wolfratshausen …nach oben

Es läuft
Es läuft

Bestes Alpenwetter, alles wie weggeflogen, volle Leistung abrufbar. Also los.
Die Fahrt führte uns am Kirchsee, einem 16 m tiefen Moorsee, vorbei, einem wunderschönen Naturschutzgebiet. Zuvor haben wir leider das Kloster Reutberg links liegen lassen mit seiner Klosterbrauerei. Es war erst 11!
Am Uferrand führte über einige km ein durchweichter Wander-/Fahrradweg entlang. Erst ganz am Ende wurde daraus ein Asphaltweg, wir konnten wieder düsen (Durchschnittsgeschwindigkeit übrigen 14 bis 15 km/h), bis die Bremsen uns zum Stillstand brachten. Vor uns ein See, ungeplant, eine Asphaltsraße mittendrin, schemenhaft zu erkennen. Angeguckt, Schuhe und Socken aus, auf die Pedale fertig, los! Das war die einzige Möglichkeit. Durch den steilen Wald mit eng stehenden Bäumen hätte wir unser Gepäck nie durchbekommen. 50 cm tief war das Wasser, das kettenblatt vorne war lange weg, das Gepäck hinten auch zum Teil. Es kamen uns E-Biker entgegen… Viel Spaß!

Der nächste Gasthof war unser, ober der wiedrum tollen “Erfahrung”. Nun sollte es ein Klacks sein.

Wasserquerung
Wasserquerung

Dem Navi folgend ging es plötzlich bergauf, aber richtig. Ohne dass ich irgendwass mitbekam “rollten” wir den steilen Berg bis Hechenberg steil berghoch. 2 km bis zum Moarwirt. Oh, hier ist irgendwie Schluss. Ich hatte wieder Zeit auf das Navi zu gucken. 2 befragte KFZ-Monteure oder sagt man Mechatroniker, wollten uns doch wieder runterschicken, weil da oben nix zu machen war. Das wollte ich nicht glauben.
Es war eine schöne Abfahrt, bis zu der Stelle, wo wir dann abbogen auf den richtigen Weg. So ein Scheiß!!
Geretsried und Wolfratshausen waren wirklich nicht spannend, jedoch hielten wir die Augen nach einer Unterkunft auf. Denn die heutige Übernachtung war in Hohenschäftlarn geplant. 100m oberhalb der Isar. Aha, kann man das vermeiden. Es war bei Buchung nichts anderes in der Nähe frei!
In Puppling bogen wir auf einen  gefühlten Radschnellweg ab, um sogleich wieder abzubremsen. Wie aus dem Nichts tauchte das Gasthaus Aujäger

Männerstammtisch
Männerstammtisch

auf. Ein Gasthaus wie aus dem bayrischen Märchenbuch. An der Hauswand neben dem wunderschönen Biergarten prangte: Fremdenzimmer. Gefragt, gebucht, eingecheckt. Wir waren nicht böse, dass wir uns 100 Höhenmeter dadurch ersparten. 2 Stunden vor Ende der Stornierungszeit noch schnell das Hotel da oben in der dünnen Luft storniert.
Es war ein schöner Abend neben dem sowas von urtümlichen Männerstammtisch inkl. Selbstgezapftem und leckerem Essen…

 

 

Tag 5: Wolfratshausen – München …nach oben

Geschafft
Geschafft, 40 km Bus oder Taxi +

Dem Radschnellweg folgend immer an der Isar I oder II (teilweise III) entlang kamen wir schnell nach München, es war warm. Wir wollten uns aber bei keinem darüber beschweren nach dieser Abenteuertour. Es gab nichts Besonderes mehr, außer dass Bayern mal wieder Pokalsieger wurde an diesem Abend. Das 7 Days Premium und unser Auto hatten uns wieder.
by the Way: Schloss Nymmphenburg fehlt es offensichtlich an Geld. Vor dem Schloss kein einziges Blümchen. Ist Bayern pleite?

Nach der letzten Nacht ging es nach Hause in 6 Stunden bei schönstem Wetter…

Mal sehen, wo es nächstes Mal hingeht?